Schönwettertouren

Tag 1: Trans Germany: Garmisch – Lermoos

84 km, 2100 hm, 4:32 Stunden, Platz 28  😉

Eigentlich bleibt mir nicht viel von diesem Tag zu berichten. Außer:

  • ja, ich habe mich angestrengt
  • nein, ich habe mich tempomäßig nicht zurückgenommen (was soll das bringen? langsamer werde ich gegen Ende sowieso)
  • ja, es war saukalt und widerlich draußen
  • cool, mein ipod hat die komplette Regenetappe anstandslos durchgehalten 😉

Der Tag beginnt mit einer Etappe warm fahren auf der Rolle im Eingangsbereich eines Wohnblocks. Ich bin etwas im Stress, weil ich mein Auto noch abstellen muss auf den offiziell ausgewiesenen Parkplätzen,  wo die Autos dann 5 Tage stehen bleiben können. Nachdem ich die Warmfahrphase rapide verkürzt habe (ob 2 Minuten auch was bringen 😉 , einen Parkplatz ergattert und erfolgreich den Startbereich gefunden habe, beginnt die erste Etappe mit einem regenfreien Start. Dass muss ich dem Wettergott wirklich sehr zugute halten! Denn es gibt nichts ätzenderes, wie in bereits total nassen Radklamotten loszufahren.

Da ich einen Teil der Strecke schon einmal bei schönem Wetter gefahren bin, weiß ich zumindest am Anfang was auf mich zukommt: die Partnachklamm. Ein steiler Teerstich reiht sich dort an den nächsten. Denn als Biker fährt man natürlich in einem kleinen Bogen um die Klamm herum und läuft nicht mittendurch. Landschaftlich eigentlich ein Highlight. Nicht so heute …

Verwirrung im Startblock

Beim Einreihen in das Starterfeld bin ich etwas verwirrt und geselle mich versehentlich zu den Lizenzfahrern. Das war einfach so angenehm dort, wenig Gedränge und Gebatze zwischen den Fahrern und ziemlich viel freie Fläche zwischen den Startern. Und der Kontrolleur beim Betreten des Startblocks nimmt mir sofort anstandlos ab, dass ich wie eine Lizenzfahrerin aussehe 😉

Demnächst sollte ich mir mal eine Lizenz zulegen. Ich weiß zwar nicht so genau, was ich dafür tun muss, aber ich dürfte in diesem Fall von vorne starten, das wäre echt cool! So  muss ich leider 10 Minuten vor Beginn noch einmal den Startblock wechseln. Sehr schön. Ich laufe also an hunderten von Bikern vorbei nach hinten und hinten und hinten … und irgendwann frage ich mich ob  „diese Straße demnächst zu Ende ist“ und dann sehe ich unverhofft … die restlichen Leute aus meinem Team, die auch keine Lizenzfahrer sind und schmuggle mich ganz unauffällig zu Ihnen. Na ja, zwischen Startplatz 700 bis 1200 ist das ja auch nicht mehr soooo dramatisch. Und ich bin ja auch schon eine Weile angestanden … nur eben am falschen Platz 😉

Stau über Stau

Um 10:15 Uhr geht es dann endlich los und ich freue mich JETZT schon unsagbar auf Lermoos! Nach ca. 4 Kilometern Kampf durch die Fahrer nach vorne (mittlerweile kann ich das Lücken zwischen Fahrern ausnutzen schon ganz gut, das ist wie beim Spur-Hopping am Mittleren Ring zur Berufsverkehrszeit in München, da darf man nicht zimperlich sein)   stehen wir …  Stau am Abzweig zur Partnachklamm. Und das stehen ist nicht genug,  eine Radlermasse schiebt ihr Bike den ersten steilen Bergstich hoch. Ähnlich wie bei anderen Events ertönen sofort Stimmen: „Des kann man doch alles fahren“, „Was is denn des? Wir wollen doch radeln und nicht gehen “ usw.

Na klar, kann man das fahren!

Aber eben an einem schönen Nachmittag mit seinen Freunden, aber eben nicht, wenn 1.200 Leute fast zeitgleich an dieser steilen Engpassage fahren wollen. Wahnsinn. Ich muss da immer nur noch stumm in mich hineingrinsen. An manchen Stellen kann man dann teilweise wirklich wieder fahren, aber im Prinzip schieben wir fast den kompletten Weg hoch. Ist zwar nervig, aber selbst an diesen Stellen kann man noch Lücken-Hopping betreiben. So ein langsamer Schieber kann man doch gar nicht sein!

Als wir dann endlich oben sind, geht es nach einer kurzen Abfahrt stetig mit leichter bis mittlerer Steigung bergauf zur Ehrwalder Alm. Von meinem Team ist niemand in meiner Nähe und ich fahre so mehr oder weniger friedlich vor mich hin zwischen 2 roten und einer blauen Regenjacke. Immer mal wieder kommt Unruhe ins Team, weil eigentlich nur der blaue wirklich vorne im Regen fährt und dann andere Fahrer von hinten überholen, die roten Regenjacken auch a bisserl nervös werden und ausscheren (Deppen, statt dessen könnten wir uns einfach mit dem vorne fahren abwechseln) aber im Großen und Ganzen klappt das eigentlich ganz gut und ich will mich auch nicht am ersten Tag an die Spitze einer Männergruppe setzen zum Windschatten geben.

 

Wie viel Schlamm passt eigentlich in ein Auge?

Was ich so noch nie erlebt habe: ich hatte in meinem Leben noch nie so schlechte Sicht durch meine Brille und so viele Schlamm- und Dreckbatzen im Auge. Oft sehe ich nur mit einem Auge, manchmal schiele ich über meine Brillengläser hinweg, ich bin neben dem Hinterrad meiner Vorderfahrer eigentlich nur damit beschäftigt den unmittelbaren Weg vor mir so einigermaßen zu erkennen. Aber anhalten und die Brille putzen geht gar nicht und in meiner Trinkflasche habe ich leider ISO und kein Wasser, also kann ich mir nicht mal die Sicht freispritzen. Wird schon gehen bis ins Ziel, aber ich fluche innerlich ziemlich. Ich sehe aus wie wenn ich eine Gesichtsmaske aufgelegt hätte!

Temporäres Teamwork

Nachdem die „Windschattenfahrten“ mit der Zeit immer planloser werden, beschließe ich an der blauen Regenjacke dranzubleiben – wenn möglich – und setze meine Plan geschickt bei der ersten Verpflegungstation in die Tat um. „Der Blaue“ fährt durch, ich hinterher. Die roten Jacken pausieren und die anderen „Unharmonischen“ auch. Sehr schön 😉 Bei der nächsten Gelegenheit überhole ich ihn und schlage ihm vor, dass wir uns vorne abwechseln. Er grinst und ich nehme das als Zustimmung. Juhui: ein Partner 😉

Mein persönlicher Verpflegungstipp 😉

Bis kurz nach der Gaistalalm (wer hier einmal vorbeikommt: das Wiener Schnitzel ist riesig und schmeckt genial), habe ich meine ersten Kettenklemmer. Mist! Dabei habe ich grade seit eeeewigen Zeiten mal wieder eine Frau überholt.  Tja, Pech gehabt. Als ich stehen bleibe um die Kette liebevoll in den gewünschten Gang einzulegen überholt sie mich wieder zurück und leider verliere ich meinen tollen Partner, na ja es gibt noch mehr um mich herum, die ich vielleicht akquirieren kann. Das Spiel mit dem Gegnerin überholen und stehen bleiben zum Gang einlegen wiederholt sich noch 4/5 mal und mittlerweile will ich nur noch nach Lermoos und wer jetzt vor mir ist oder nicht ist mir grad mal egal.  Mein Kampfgeist lässt bei diesen Temperaturen zu wünschen übrig.

Die letzten Kilometer ins Ziel

Die Abfahrt von der Ehrwalder Alm ist wahnsinnig kalt, der letzte Anstieg auf die Tuftlalm dauert eine gefühlte Ewigkeit. Dann nach 69 km sind wir endlich am letzten Gipfel. Ich freue mich so aufs bergab ins Tal rollen! Leider geht es ziemlich hügelig ins Tal und nix ist mit chillig draufsetzen und rollen lassen. Die letzten Kilometer vor der Ankunft in Lermoos werden wir dann auch noch über schlammige Wiesenfelder und über künstlich drappierte Sprungrampen geführt. Wahrscheinlich um den Fahrspaß der Strecke zu erhöhen 😉  Na servus! Also sagen wir die perfekte  Kontrolle über mein Rad hatte ich in dieser Passage eher weniger (aber schieben und absteigen geht ja auch nicht).

Die Folge:

  • 3 Stürze (ins Schlammbad fällt man allerdings weich),
  • noch mehr Schlamm im Haar und überhaupt überall
  • und ich fahre mit ca. 0,00001 km/h über die Ziellinie!!

Die Zielverpflegung ist super, es gibt Brot und Salami und ich bin heute nicht schlecht gefahren. Ich bin nur ca. 5 Minuten hinter einer unserer super Fahrerinnen, die allerdings bei den Lizenzfahrern gestartet ist und mir verraten hat, dass sie die Partnachklamm noch fahren durfte.  Also kann ich im Großen und Ganzen stolz auf mich sein.

Im Hotel angekommen, fehlt erst einmal meine Tasche. Aber das ist der Teamvorteil. Ein netter Teamkollege leiht mir eine Short, Duschgel und ein T-Shirt und so kann ich mich schon mal sauber machen und trockene Klamotten anziehen. Die anschließende Massage ist ein Traum und der Supermarktbesuch ebenso. Ich liebe österreichische Supermärkte. Lermoos liegt nämlich – ebenso wie Bregenz – in Austria (Trans Germany?????) Am Abend fallen mir während des Essens – es dauert leider ewig bis wir das Essen haben – bereits fast die Augen zu und ich verschlafe die Teambesprechung für den nächsten Tag. Ich hoffe, die Klamotten trocknen bis morgen und es wird nicht kälter!

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