Schönwettertouren

Jakobsweg 2011: Camino de la Costa

18. Mai 2011:  Pamplona – Altasua, Anreise Jakobsweg

Die Anreise oder wie paranoid manche Fluggäste sind

Unser Jakobsweg startet um 7 Uhr morgens beim Checkin am Münchner Flughafen. Der Checkin mit Rädern und Rucksäcken verläuft problemlos. Das Iberiapersonal weiß zwar nicht was Sperrgepäck auf spanisch heißt (das finden wir dann sicher in Pamplona raus) und wir haben im Flugzeug getrennte Plätze. Aber da ist nicht weiter schlimm und evtl findet sich ja ein netter platztauschwilliger Nachbar.

 

Caros Platztauschversuch:
Caro: Entschuldigung könnten Sie vielleicht mit meiner Freundin Plätze tauschen? Sie sitzt am gleichen Platz nur in der letzten Reihe.
Argentinischer Reisender (ca. 50 Jahre, tiefe Empörung schwingt in seiner Stimme) : Was? Wo? In der letzten Reihe? Nein!!!! Das ist ja das Letzte.
Caro: ???

 

Mein Platztauschversuch:
Ich: Entschuldigung, macht es Ihnen was aus mit meiner Freundin Plätze zu tauschen? Sie hat auch einen Fensterplatz nur eben 7 Reihen weiter vorne.
Geschäftsmann: Wo genau ist der Platz denn?
Ich: Da vorne, sehen Sie?
Geschäftsmann: Nein, also so weit vorne, da tausche ich nicht. Wissen Sie ich fliege 2,3 Mal in der Woche únd sitze IMMER auf diesem Platz.
Ich (denke mir): Vollpfosten!
Mann links neben mir (im schönsten bayrisch): Wo sitzt eana Freindin? Ja mei, also wenn die Madeln halt zam sitzen wolln, i geh gern vor.
Ich: Mei des is supernett von Ihnen, Danke 😉

 

Caro (kommt nach 5 Minuten): Also so ein Depp, jetzt wollt der den anderen nicht mal reinlassen und hat voll gmotzt.
Geschäftsmann (rechts neben mir): schweigt beflissentlich
Ich: Tja mei, manche sind komisch.

Die Pilgerreise fängt also schon gut an. Das passt ja zum besinnlichen Jakobsweg.

 

Ankunft Spanien

In Madrid starten wir dann mit 1 Stunde Verspätung nach Pamplona. Das Flugzeug ist ein kleines 40 Mann Flugzeug. Wir sitzen in Reihe 12 und zum ersten Mal fällt mir auf, dass es keine Reihe 13 im Flugzeug gibt. Ein dicker Pluspunkt ist der Service. Im kleinen Flugzeug sind die beiden Stewardessen auf Zack und wir bekommen sogar kostenlos (!) was zu trinken und müssen nicht extra dafür zahlen. Cool 😉

die Jakobsmuschel, offizieller Wegweiser

die Jakobsmuschel, sie weist uns den Weg bis nach Santiago

In Pamplona gehen wir dann direkt übers Rollfeld in den menschenleeren Flughafen und 5 Minuten später ist unser Gepäck da. Das Radl zusammenbauen klappt gut und man kann das Verpackungsmaterial direkt vor Ort in den großen Müllkontainern entsorgen. Einzig meine Luftpumpe hat es nicht bis nach Pamplona geschafft. Mein Karton ist nämlich unten aufgegangen und da ist sie wohl rausgefallen. Gott sei Dank sind mein Rad und meine Schuhe noch da 😉

Die Tourenplanung
Da unsere Route nicht in Pamplona startet auf dem viel begangenen Camino frances, sondern wir in Bilbao, müssen wir von Pamplona aus erst Richtung Küste hoch. Wir haben 2 Navigationsgeräte mit einer spanischen Straßenkarte dabei und damit sollten wir den Weg eigentlich finden.

Der Garmin Edge soll uns zusammen mit einer Straßenkarte den Weg nach Bilbao über Nebenstraßen weisen. In Bilbao treffen wir dann auf „unseren“ Jakobsweg, den Camino de la Costa. Von da an haben wir

Da sollten wir navigationstechnisch gut gerüstet sein.

In den Fängen des Garmin: der Garmintest
Um die Navigationsqualitäten zu testen, wollen wir uns also gleich mal vom Flughafen in Pamplona ins Zentrum der Stadt führen lassen. Wir müssen dort eine neue Luftpumpe erstehen und unseren Pilgerausweis (credencial del peregrino). In unserem Pilgerausweis können wir an jeden Ort abstempeln lassen, dass wir auch wirklich dort waren und um eine Pilgerbestätigung in Santiago de Compostella zu bekommen, muss man als Radpilger die letzten 200 km mit dem Rad zurückgelegt haben und als Fusspilger die letzten 100 km.

Zurück zum Garmintest
Wir starten also am Flughafen und der Garmin zeigt an, dass wir uns ca. 11 km entfernt von unserem Zielort befinden. Super, d.h. wir sind echt schnell in der Stadt und können bald aufbrechen – dachten wir. Der Garmin war da allerdings anderer Meinung. Er leitet uns eine halbe Stunde durch den Vorort am Flughafen im Kreis und will einfach nicht nach Pamplona. O.K. Wir beschließen in Pamplona eine gute Straßenkarte mit geeigneten Maßstab mit auf unsere Besorgungsliste zu setzen und sind etwas zerknirscht über den unglücklichen Testverlauf.

Ich vergewissere mich also noch einmal bei einer Dame, welche Farbe die Straßenschilder haben müssen, der Straßen, die man beradeln darf und erfahre weiß – auf keinen Fall blau (!). Das ist die autopista. Da dürfen keine Radler fahren und wir folgen misstrauisch den Spuren der weißen Schilder. Die sind etwas verwirrend, weil die Spuren direkt neben den Autobahnspuren entlang laufen und verkehrstechnisch ist das kein Vergnügen, aber 11 km, das passt schon.

jetzt sind wir offizielle bicigrinos

Der erste cafecito in Pamplona
Mittlerweile ist es 15 Uhr und wir tigern durch die Innenstadt auf der Suche nach dem Fremdenverkehrsamt. Wir gelangen schließlich zum Plaza Mayor und folgen den Schildern zurerst ans eine Ende, am anderen Ende finden wir ein Schild aus der Richtung aus der wir gerade kommen … seufz … also trinken wir erst einmal einen cafecito und fragen den Kellner. Das erweist sich auch schon als viel effizienter als die Suche im Schilderwald.

Erfolgreiche Einkaufstour
Im „Oficina del turismo“ (Fremdenverkehrsamt) haben sie allerdings keinen Schimmer wie man mit dem Rad von Pamplona nach Bilbao kommt und erst recht keine Straßenkarte. Mist. Einzig einen Stadtplan auf dem ich mir einen Outdoorladen beschreiben lasse, der uns vielleicht weiterhelfen kann und so ist es auch: das Geschäft heißt Muga und hat eine Riesenauswahl an Kartenmaterial und Outdoorequipment. Der Laden öffnet um 17 Uhr und die Verkäufer sind super nett. Die Räder dürfen wir gleich mit ins Geschäft nehmen. Als wir dem Verläufer erklären, dass wir nach Bilbao wollen, schaut er zuerst etwas ratlos …

Verkäufer: (uuuuhhh) „ihr braucht muchas mapas“ (also 3 Karten mindestens)
„hmmm oder nein 2“
„hmmm oder nein eine“ 😉
Mit der richtigen Karte verlassen wir den Laden. Der Veräufer schickt uns mit den Worten „supergeile Aktion, Mädels“ auf
den Weg. Wir erwerben im Fahrradgeschäft noch eine neue Luftpumpe (spanisch: bomba, auch hier werden wir gleich hereingebeten mit unseren Fahrrädern).

Ganz problemlos erwerben wir für 1,50 Euro pro Person unsere Pilgerausweise (credencial de Peregrino) im Palacio (man muss klingeln und dann wird man reingelassen und bekommt den Ausweis am Empfang). Jetzt sind wir offizielle Pilger, d.h. genau genommen sind wir bicigrinos – im Gegensatz zu den peregrinos, die zu Fuß den Jakobsweg gehen – eben Radpilger.

Um sechs Uhr beginnt also unsere Reise Richtung Bilbao. Da es schon ziemlich spät ist, legen wir die ersten 50 bis 60 Kilometer auf der Landstraße N240 zurück zwischen 2 Gebirgszügen. Der Verkehr hält sich in Grenzen und wir landen schließlich in Alsasua in einem Truckerhotel direkt an der N240. Unsere Räder werden im Innenhof eingesperrt und wir gehen nur noch zum Essen ins Restaurant, das zum Hotel gehört und schlafen schon bald ein.

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