Schönwettertouren

Tag 3: Trans Germany: Pfronten – Sonthofen

55 km, ca. 1830 hm, 3:08 Stunden,  Platz 25 😉

Nach dieser Nacht geht es meinen Augen schon besser und nach meiner morgendlichen Pulsmessung, gehe ich nach unten zum Frühstück. Ich bin so ziemlich die Letzte, die kommt und der Frühstücksraum ist schon gut besucht von unserem Team und anderen Radlern.

Die Semmel das knappe Gut

Als ich zum Brotkorb gehe, ergattere ich gerade noch die letzte Semmel. Die reizende ältere Wirtin – ich schätze sie ist zwischen 65 und 70 Jahre alt – antwortet auf den Hinweis, dass keine Semmeln mehr da sind mit den Worten „Was? Da habt ihr zu viel gegessen“. Na danke!

Semmel

Das knappe Gut

Zugegeben: Wenn ich meinen Lebensabend in einem Hotelbetrieb in Vils verbringen müsste, dann wäre ich vielleicht auch etwas angefressen, aber was ist das bitte für eine Art? Vor allem da ich den Raum gerade erst betreten habe und noch überhaupt  nichts gegessen habe. Ich glaube,  die spinnt. Na ja, immerhin waren die Zimmer echt schön, das Essen gestern gut und Dank des Heizungskellers sind die meisten nassen Klamotten so leidlich getrocknet. Bis auf die Schuhe.  Die trocknen leider nicht so schnell und so nasse Radschuhe sind einfach widerlich zum Anziehen.

In der heutigen Etappe ist ein ziemlich großer Teeranteil vorgesehen. Deshalb war gestern noch wildes Reifenwechseln angesagt. Nur nicht bei mir – dachte ich. Allerdings hat Andrea auch bei meinem Rad Hand angelegt und so ist mein Hinterreifen jetzt ein „Furius Fred“ und kein „Racing Ralph“ mehr. Oh je, oh je … und ich dachte die Sturzphase wäre vorbei. Da sollte ich wohl besonders vorsichtig fahren.Und hoffentlich habe ich jetzt keinen Platten, schwitz …

 

Unterschiedliche Radreifen

Oh je: der macht mich kaputt 😉

Als wir zum Warm fahren von Vils nach Pfronten fahren, meint Wolfgang, dass er mich heute die Strecke begleitet und mich ein bisschen unter seine Fittiche nimmt – so Geschwindigkeitstechnisch.  Hilfe! Da bin ich doch viel zu langsam. Das habe ich jetzt davon, dass ich die letzten beiden Tage schneller als meine Teamkolleginnen ins Ziel gekommen bin. Alles was ich jemals über den plötzlichen Herztod bei Sportlern gelesen habe, kommt mir in den Sinn 😉

Im Startblock B ist schon wieder total viel los, obwohl wir schon um 9:15 Uhr dort sind. Ab 9:15 Uhr sollte auch der Einlass in die Startblöcke beginnen. So wie’s aussieht, habe ich mich in diesem Block „festgezuzelt“, denn die Damen mit den Platzierungen 16 bis 50 starten aus diesem Block. Zu Block A werde ich es wohl nicht mehr schaffen und Block C und D sind hoffentlich genauso unrealistisch.

Das Schlauchtrauma

Es sei denn natürlich ich habe einen Defekt … Obwohl ich das Reifen wechseln immer wieder übe, habe ich ein absolutes Trauma und ich brauche gefühlt mindestens eine halbe Stunde zum Wechseln und Aufpumpen! So habe ich zum Besipiel beim Wechseln meines Rennradreifens vor 2 Jahren 3 ultraleichte Schläuche zerstört beim Reinhebeln des Reifens in die Felge. Oder auf Lanzarote im Frühjahrstrainingslager hatte ich 3.4 Platten am Stück – innerhalb von 20 Minuten – und wir haben meinen Reifen fast nicht repariert bekommen, ebenso das Jahr zuvor auf Gran Canaria … ich habe da einfach ein Schlauchwechsel- und Flicktrauma weg … Aber zurück nach Pfronten.

Pfronten – ein sympathisches Örtchen

Pfronten ist mir eigentlich durchweg in positiver Erinnerung:

  • Erstens starten wir heute zum ersten Mal bei einer äußerst geringen Regenwahrscheinlichkeit – ich glaube sogar sie geht gegen Null – und bei blauem Himmel und Sonnenschein. Die Regenklamotten und sogar die Armlinge und Knielinge habe ich verbannt 😉
  • Zweitens ist die Toilettensituation im Startbereich äußerst zufriedenstellend. Ich weiß nicht mehr wie der Gasthof heißt, aber: herzlichen Dank noch einmal für das Benutzen-dürfen der – übrigens sehr sauberen – Räumlichkeiten 😉 und ein dickes Lob an die Organisatoren!
  • Drittens sind wir gestern auch bei gutem Wetter angekommen.
Blick auf Pfronten

Blick vom Breitenberg aus auf die Gemeinde Pfronten, Quelle: M. Drexelius

Als wir dann los fahren, bin ich so aufgeregt, dass ich vergesse meinen Garmin zu starten. Mist! Das fällt mir allerdings erst am Berg bei Kilometer 32 auf. Ich bin so konzentriert darauf an Wolfgangs Hinterrad zu bleiben, dass ich gar nichts anderes sehe. Bereits bei der leichten Steigung nach dem Start ist mein Puls permanent über 180. Das kann ja heiter werden. Unterwegs treffe ich

  • einen Biker aus meinem Landkreis vom Team Redheads (ich kann seinen Gruß leider nur sehr knapp erwidern),
  • „Schneeweißchen“ (Gewinnerin im Damenteam der letzjährigen Tourtransalp)
  • und viele, viele Biker, die ich während der letzten 2 Tage noch nie gesehen habe 😉

Wann sind wir endlich im Ziel? Schnauf! Dass die Berge steiler sind als gestern (insgesamt ist die Strecke ca. 20 km kürzer, die Höhenmeter sind allerdings gleich geblieben), merke ich schon sehr bald. Mir kommt es so vor, wie wenn eine steile Rampe die nächste ablöst. Aber das mag auch daran liegen, dass mir Wolfgangs Tempo nicht ganz so liegt. Obwohl ich ein prädestinierter Bergfloh wäre – erzählt man sich, ich allerdings kann nur eines sagen:

Ich mag keine steilen Berge! Zefix!

Am Anstieg zur Buchelalpe dann sehe ich wie sich Gwenda, eine Teamkollegin von mir, herankämpft. Also kämpfen ist eigentlich nicht der richtige Ausdruck. Wie sie locker flockig den Berg rauffährt. Ich hätte ihr auch abgenommen, wenn Sie fröhlich vor sich hingepfiffen hätte. Ich bin heilfroh!

Fahr Du mit Wolfgang

bringe ich noch raus und die beiden setzen das gleich in die Tat um. Juhui! Endlich frei 😉 Nicht, dass ich nicht gerne in Gesellschaft fahre, aber irgendwie bin ich froh mein Tempo fahren zu dürfen und außerdem werde ich nicht gerne verkuppelt und suche mir meine Partner selbst aus  😉 Als kleines, kein Wässerchen trüben könnendes Mädchen schenken mir die meisten Kollegen immer Windschatten, wenn ich nett frage 😉 Das habe ich bereits mehrfach festgestellt. Vielen Dank an dieser Stelle, die meisten Männer verzichten sowieso auch gerne freiwillig  auf meine „Windschättchen“  (1,62 m ist einfach zu klein für die Herren) 😉

Endlich mal schieben 😉

Kurz darauf beginnt eine 400 bis 500 Meter lange absolut verschlammte Schiebepassage durch den Wald. Lecker. Gott sei Dank habe ich meine feschen weißen Shimano-Schuhe an, die mit den türkisen verspielten Blümchen. Genau das richtige für das Gelände 😉 Das Gute ist allerdings, dass ich bei dem Marsch durch Schlamm und Matsch keine Überschuhe zerstören kann (ich habe nämlich keine), im Gegensatz zu zahlreichen wettermisstrauischen Radlern um mich rum, die heute noch mit Regen gerechnet haben. Hoffentlich breche ich jetzt nicht ein, nachdem ich mich auf den ersten Kilometern etwas mehr verausgabt habe.

Bei Kilometer 31 checke ich – endlich (!) -, dass ich nur meinen Garmin einschalten muss und dann funktioniert auch die Kilometeranzeige. Das ist einfach total ungewohnt, wenn man nicht weiß, wie weit es noch bis zum Ziel ist. Der letzte Teeranstieg läuft so mittelprächtig. Ich habe ein kleines Zwischenhoch und überhole ein paar Biker, dafür holt mich leider auch „Rosenrot“ (die Partnerin im Sieger-Damenteam der letztjährigen Tourtransalp) ein. Aber immerhin. Ich fahre hier unter der Damenprominenz so rum 😉 Wow 😉

Radschuhe Shimano

Mein tollen Radschuhe von Shimano, nicht mehr ganz so sauber

Der Trail und die Abfahrt nach Sonthofen ist cool. Das macht Spaß, endlich ein bisschen mountainbiken 😉 Ich komme 10 Minuten nach Wolfgang und Gwenda ins Ziel. Das ist finde ich auch ganz ordentlich und die Zielverpflegung bestehend aus Salami, Brot, Kuchen, Cola und Sonne 😉 ist super! Auch unser Team-Bikeservice im Zielbereich ist absolut perfekt. Mir wurde bis jetzt jeden Tag ein absolut verdrecktes Rad aus der Hand genommen und ein sauberes Rad habe ich wiederbekommen. Ein unglaubliches Lob an das komplette Helferteam! (So einen Service bräuchte ich daheim auch 😉

Unbekannte TV-Berühmtheiten

So, jetzt bin ich gespannt: Mal sehen ob wir heute ausnahmsweise in Deutschland übernachten. Und siehe da: ja! Wir sind wirklich weit genug von Österreichisch entfernt, dass wir in einem Hotel im absolut idyllischen Urlaubsort Fischen übernachten, ca. 10 km entfernt vom Startpunkt. Wir schlafen in der Inselperle. Also in meiner Trainingszeit im Winter verbringe ich wirklich viel Zeit auf der Rolle und schaue mir auch wirklich allen möglichen und unmöglichen TV-Schrott an, aber Zach, der Restauranttester, habe ich noch nie gesehen. Gott sei Dank, in diesem Fall, denn in der Inselperle war er wohl im September 2009 zu Gast und die Bewertung war nicht gerade berauschend.

Nicht nur, dass das Essen katastrophal ist, auch der Zustand der ‚Inselperle‘ erschreckt den Restauranttester. (Direktes Zitat von der RTL-Website http://rtl-now.rtl.de)

Gott sei Dank, habe ich die Bewertung nicht vorher gelesen. Trotzdem war ich bereits 5 Minuten nach derAnkunft genervt. Ich betrete die Dusche und schon wieder kalt! Wahhhh! Und dieses Mal richtig. Das Wasser ist nicht einmal lauwarm! Sehr gut. Ich säubere mich etappenweise: zuerst die Beine, dann die Arme, den Rest und zum Schluss Kopf und Haare und fluche innerlich!! Unglaublich.

Kaufen, kaufen, kaufen

Na ja, immerhin die anschließende Massage entschädigt mich für die kalte Dusche und der darauf folgende Supermarktbesuch mit Wurstsemmel- und Süßigkeiteneinkauf was das Zeug hält. Das Abendessen begeistert mich bedingt und ich wäre echt gerne mal zwischendurch zur Pastaparty gegangen. Aber bei der Transalp Challenge im Juli hole ich das nach  😉  So nur noch eine Nacht, dann beginnt die letzte Etappe.

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